Ellenrinnensyndrom: Wenn der Ellennerv zwickt! - MOOCI

Ellenrinnensyndrom (Sulcus nervi ulnaris-Syndrom) - Jetzt alle Informationen erfahren

Sicherlich ist Dir der „Musikantenknochen“ ein Begriff. Er verursacht höllische Schmerzen, wenn man sich an ihm stößt. Doch das unangenehme Gefühl löst nicht der Knochen selbst aus, sondern ein Nerv. Dieser als Ellennerv oder Nervus ulnaris bezeichnete Nerv sorgt dafür, dass Du Gegenstände gut greifen kannst. Ist er eingeengt, können Taubheitsgefühle in den Fingern auftreten, was Mediziner in der Fachsprache als Sulcus nervi ulnaris-Syndrom, Ulnarisrinnensyndrom, Kubitaltunnelsyndrom oder auch einfacher als Ellenrinnensyndrom bezeichnen. Wir erklären Dir im Folgenden, wann eine Operation sinnvoll ist, wie diese verläuft und was Du dabei alles beachten solltest.

Dauer

1-1,5 Stunden

Ausfallzeit

2-4 Wochen

Stationär

1-2 Nächte

Was versteht die Medizin darunter?

Beim Ellenrinnensyndrom handelt es sich um eine Einengung des Ellennerven (Nervus ulnaris), meist hervorgerufen durch chronische Druckeinwirkung. Der linke Arm ist dabei häufiger betroffen. In ungefähr ein Drittel aller Fälle kommt das Krankheitsbild beidseitig vor. Der Nervus ulnaris verläuft auf der Innenseite des Ellbogens in einer gut fühlbaren Rinne, die Spezialisten als Sulcus ulnaris bezeichnen. Du kannst ihn durch Ertasten leicht selbst lokalisieren. Der Nervus ulnaris ist für die Bewegung und das Tasten Deines Kleinfingers und halben Ringfingers verantwortlich. Schon bei leichtem Berühren des Nervs kannst Du ein Kribbeln in Deiner Hand auslösen.

 

 

Welche Ursache hat das Ellenrinnensyndrom?

Da der Nervus ulnaris in unmittelbarem Kontakt zur Elle nur durch wenig Bindegewebe geschützt direkt unter der Haut liegt, ist er anfällig für Verletzungen durch Zug und Druck.
Ständige Belastung oder wiederholte Bewegungen können ihn reizen und schließlich schädigen. Dies betrifft besonders Berufskraftfahrer, am Computer arbeitende Menschen und bettlägerige Personen, bei denen falsche Lagerung oder übermäßiges Abstützen des Ellenbogens zu erhöhtem Druck auf den Nerven führt.

Druckbelastungen können ebenfalls durch entzündliche Gelenkschwellungen im Ellenbogen (Arthritis) entstehen, wodurch das Gelenk auf den Nerv drückt. Auch eine Arthrose am Ellenbogen, bei der es zu einer Verdickung des Knochenrandes kommt, kann dafür sorgen, dass der Ellennerv nicht mehr ausreichend Platz hat.

Manchmal können zu kräftige Muskeln am Ober- oder Unterarm den Nervus ulnaris an den Rand der Knochenrinne drängen. Einige Menschen haben einen zusätzlichen kleinen Muskel, der über den Ellenbogen zieht, wodurch es zur Einengung des Nervs kommt. Des Weiteren können anatomische Veränderungen im Bereich des Ellenbogens, etwa Brüche oder Verrenkungen durch Unfälle, zum Ellenrinnensyndrom führen. In seltenen Fällen können auch Überbeine (Ganglien), Tumore und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Schilddrüsenprobleme für das Krankheitsbild verantwortlich sein.

Welche Folgen bringt die Erkrankung mit sich?

In der Frühphase des Ellenrinnensyndroms äußern sich vorhandene Probleme durch ein Kribbeln, Taubheitsgefühl und „Ameisenlaufen“ im Klein- und Ringfinger. Patienten berichten, dass diese Symptome oftmals nachts und am frühen Morgen sowie bei aufgestütztem Ellenbogen verstärkt auftreten. Im späteren Stadium können die Gefühlsstörungen dauerhaft bestehen bleiben, auch Schmerzen im Bereich des Ellenbogens, des Unterarms und der Hohlhand sind typisch.

Darüber hinaus kann es zu einer Eindellung an der Handkante sowie einem zunehmenden Muskelschwund im Finger- und Handbereich mit daraus folgendem Kraftverlust kommen. Betroffene klagen teilweise darüber, einfache Tätigkeiten, wie das Halten eines Stiftes beim Schreiben, nicht mehr ausführen zu können. In schweren Fällen kommt es zur Ausbildung der sogenannten Krallenhand, bei der Leidtragende vor allem ihren Klein- und Ringfinger nicht mehr gerade strecken können.

Für wen ist die Operation geeignet?

Eine Operation kommt immer dann infrage, wenn konservative Behandlungen keine Besserungen erzielen konnten. Konservative Methoden umfassen das nächtliche Tragen einer Schiene, die über den Ellenbogen geht, sowie das Vermeiden von Überbelastung. Generell sind die Therapiemaßnahmen ohne Operation begrenzt und führen nicht immer zum gewünschten Erfolg. Mediziner empfehlen bei anhaltenden Lähmungen und schmerzhaften Missempfindungen, eine Operation durchführen zu lassen, um auch weitere Schäden zu vermeiden.

Wenn die Beschwerden wie Taubheit und Schwäche anhalten oder fortschreiten, sollte mit der operativen Behandlung nicht gezögert werden. Spätestens bei Feststellung eines Muskelschwunds, ist ein operativer Eingriff dringend erforderlich denn ein weiteres Zuwarten ist mit der Gefahr einer bleibenden Schädigung verbunden.

Was passiert vor dem Eingriff?

Vor einem operativen Eingriff müssen medizinische Spezialisten überprüfen, ob bei Dir tatsächlich ein Ellenrinnensyndrom vorliegt. Zwar kann ein Neurologe meist schon aufgrund der von Dir beschriebenen Symptome die entsprechende Diagnose stellen, dennoch sind weiterhin klinische und elektrophysiologische Untersuchungen notwendig. Anhand der Messung der Nervenleitgeschwindigkeit kann eine Beurteilung einer möglichen Funktionseinschränkung des Ellennervs erfolgen. Normalerweise sollte die Nervenleitgeschwindigkeit des Nervus ulnaris mindestens 49 m/s betragen, bei einem Ellenrinnensyndrom ist diese jedoch vermindert, wodurch Mediziner die Notwendigkeit einer Operation abschätzen können.

 

Ein weiteres diagnostisches Verfahren ist der sogenannte Papierstreifentest, der auf den französischen Internisten Jules Froment zurückgeht. Hierbei hältst Du beispielsweise ein Blatt Papier so zwischen Deinem Daumen und Zeigefinger, dass der untersuchende Arzt das Papier nur schwer wegziehen kann. Bei einer Schädigung des Nervus ulnaris kannst Du Deinen Daumen nicht an Deinen Zeigefinger heranführen. Um das Papierstück dennoch festhalten zu können, erfolgt als Ausgleich eine starke Beugung Deines Daumens. Mediziner sprechen dann von einem positiven Froment-Zeichen, was auf ein Ellenrinnensyndrom hinweist.

Was muss ich vor dem Eingriff beachten?

Mindestens eine Woche vor dem Eingriff musst Du in der Regel blutverdünnende Medikamente wie beispielsweise Aspirin absetzen, da diese die Blutungsneigung nach Operationen verstärken können. Ebenfalls brauchst Du vom Internisten eine Operationsfreigabe. Das bedeutet, dass Du Deinem Operateur alle Befunde, die für einen solchen Eingriff relevant sein könnten, zum Beispiel Blutbefunde, vorlegen musst. Solche zuvor gemachten Untersuchungen helfen, das zu erwartende Risiko für Deinen Organismus abschätzen zu können. Wichtig ist auch, dass Du nüchtern zum Operationstermin erscheinst.

Welche Methoden/Techniken gibt es?

Experten unterscheiden bei einer Operation des Ellenrinnensyndroms eine offene von einer endoskopischen Technik (Schlüsselloch-Chirurgie). Bei der offenen Technik, die Mediziner oft bei fortgeschrittenen Erkrankungen wählen, erfolgt ein ungefähr 15 Zentimeter langer Schnitt an der Innenseite des Ellenbogens. Ziel hierbei ist es, den Nerv aus seiner Einengung zu befreien, indem der behandelnde Arzt diesen freilegt und störendes Gewebe entfernt. Gegebenenfalls verlegt er den Ellennerv nach vorn unter die Unterarmmuskulatur oder das Unterhautfettgewebe, um eine bestmögliche Polsterung zu gewährleisten.

Die schonendere Alternative stellt die minimal-invasive endoskopische Methode dar. Bei dieser Technik setzen Mediziner nur einen in etwa drei Zentimeter langen Schnitt am innenseitigen Ellbogengelenk. Mithilfe eines speziellen Endoskops (Kamera) lässt sich der Nerv optisch gut überprüfen, da die kleine Kamera das Bild auf einen Fernseher überträgt. Bei Vorliegen von Engpässen kann der Operateur diese durch Entfernung von Gewebe beseitigen. Eine Verlagerung des Nervenverlaufs findet dabei nicht statt. Oftmals ist dieser Eingriff ambulant möglich und Betroffene können noch am selben Tag wieder nach Hause.

Beide Techniken führen zu einer Druckentlastung des Nervus ulnaris (Dekompressionsoperation) und zielen darauf ab, eine weitere Verschlimmerung des Krankheitsbildes zu stoppen. Dennoch stehen auch die Chancen einer Heilung gut. Akute Beschwerden wie ein Kribbeln in der Hand lassen sich rasch beheben. Die Regeneration bei schweren Sensibilitätsstörungen kann bis zu einem Jahr dauern. Unabhängig von der verwendeten Technik braucht der Ulnarisnerv die gleiche Erholungszeit.

Wie verläuft die Behandlung des Ellenrinnensyndroms?

Die Operation des Sulci nervi ulnaris-Syndroms kann sowohl ambulant als auch stationär stattfinden, wobei der Klinikaufenthalt circa zwei Nächte beträgt. Der Eingriff ist in Vollnarkose oder in lokaler Betäubung des Armes möglich. Welche Versorgung dabei am geeignetsten ist, ist unter anderem von Faktoren wie Begleiterkrankungen, dem Alter und sozialer Versorgung abhängig.

Zu Beginn der Behandlung legt der Mediziner einen Schnitt an der Innenseite des Ellenbogengelenks an. Je nach verwendeter Technik beträgt dieser wenige Zentimeter bis zu 15 Zentimeter. Durch das Tragen einer Lupenbrille kann der Handchirurg Einschnürungen des Nervs genau untersuchen und gegebenenfalls daraus befreien. Ob der Nervus ulnaris in seiner natürlichen Lage bleiben kann, hängt davon ab, ob er beim Bewegen des Ellenbogengelenks in seiner knöchernen Rinne verbleibt. Ist dies nicht der Fall, verlegt der Arzt den Nerv nach vorn unter die Unterarmmuskulatur oder in weiches Fettgewebe, wodurch eine optimale Polsterung gewährleistet ist.
Durch das Anlegen einer Drainage kann eine Ableitung des Wundsekrets erfolgen.

 

Abschließend verschließt der Mediziner Deine Haut durch feine kosmetische Nähte und verbindet Dein Ellenbogengelenk. Eine leichte Kunststoffschiene gewährleistet eine Ruhigstellung Deines Armes. Am Ende der Behandlung bespricht der Operateur den weiteren postoperativen Ablauf mit Dir und stellt eine medikamentöse Verordnung aus. Ebenfalls nennt er Dir den ersten Termin für die operative Nachsorge mit Verbandswechsel. Die Dauer der Behandlung beträgt durchschnittlich ein bis eineinhalb Stunden. Bei einer Vollnarkose kannst Du noch mit einer zusätzlichen 30 bis 60-minütigen Betreuung zu Deiner Sicherheit im Aufwachraum rechnen.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Zu den Risiken einer Ellenrinnenoperation zählen Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, verdickte oder verbreiterte Narben, Wundinfektionen und Unverträglichkeitsreaktionen auf das Betäubungsmittel. Auch sind Nervenverletzungen mit andauerndem Taubheitsgefühl und Muskellähmung möglich, wodurch es zu Bewegungseinschränkungen und Sensibilitätsstörungen kommen kann. Ebenfalls besteht das Risiko von bleibenden Beschwerden trotz der Operation sowie eines erneuten Auftretens der Veränderung.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach dem Eingriff ist ein schwach brennendes Wundgefühl möglich. Dein Arzt kann Dir dagegen ein schmerzlinderndes und abschwellendes Medikament geben. Da Ruhe für den Heilungsprozess sehr wichtig ist, erfolgt eine Schonung Deines Ellenbogengelenks für in etwa sieben bis zehn Tage mittels einer Kunststoffschiene am Oberarm. Bis zum Fadenzug, der nach circa zehn Tagen erfolgt, trägst Du noch einen elastischen Verband.

Meist musst Du mit zwei bis vier Wochen Arbeitsunfähigkeit rechnen. Vereinzelt kann eine Physiotherapie oder Ergotherapie nach der Operation sinnvoll sein. Experten empfehlen eine Kontrolluntersuchung beim Neurologen nach etwa vier bis sechs Monaten, wobei verbesserte Messwerte bei der Nervenleitgeschwindigkeit oftmals erst nach sechs bis neun Monaten auftreten. Allgemein gilt, dass beim Ellenrinnensyndrom bei frühzeitigem Behandlungsbeginn und konsequenter Schonung eine vollständige Regeneration des Nervs zu erwarten ist, die jedoch bis zu zwölf Monaten dauern kann.

Kann man die Erkrankung vorbeugen?

Da das Ellenrinnensyndrom in der Regel auf mechanische Reize zurückzuführen ist, besteht die wichtigste vorbeugende Maßnahme in der Vermeidung von Fehlbelastungen und negativen Angewohnheiten, die auf Dauer zu einer Verletzung des Nervus ulnaris führen können. Erste Symptome, wie ein Brennen oder Kribbeln im Ring- oder Kleinfinger solltest Du unbedingt ernst nehmen, auch wenn bereits nach wenigen Sekunden eine Besserung eintreten sollte. Wir empfehlen Dir die Situationen zu ermitteln, die zu den genannten Beschwerden führen.

 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Da im fortgeschrittenem Stadium ein Muskelschwund mit zunehmendem Kraftverlust und starken Schmerzen auftreten kann, durch den Betroffene erheblich in ihrem Alltag eingeschränkt sind, übernehmen die Krankenkassen in der Regel die anfallenden Kosten.
Informiere Dich am besten direkt bei Deiner Krankenkasse, welche Leistungen sie abdeckt.

Alle wichtigen Informationen zusammengefasst:

  • Das Ellenrinnensyndrom ist durch eine Einengung des Nervus ulnaris gekennzeichnet, oftmals hervorgerufen durch chronische Druckeinwirkung oder eine Überbelastung
  • Typische Beschwerden im Anfangsstadium sind unter anderem ein Kribbeln und Taubheitsgefühl. Im weiteren Verlauf kann ein Muskelschwund mit zunehmendem Kraftverlust bestehen
  • Die Behandlung kann sowohl konservativ als auch operativ erfolgen. Mediziner unterscheiden die offene von der endoskopischen Operationstechnik
  • Der operative Eingriff kann ambulant und stationär erfolgen. Sowohl Vollnarkose als auch lokale Betäubung des Armes sind möglich
  • Mögliche Risiken des medizinischen Eingriffs sind unter anderem Wundheilungsstörungen, Nervenverletzungen mit andauerndem Taubheitsgefühl und verdickte oder verbreiterte Narben
  • Nach der Operation sind Ruhe und das Tragen einer Kunststoffschiene genauso wichtig für den Heilungsprozess, wie eine konsequente Physio- oder Ergotherapie
  • Die Krankenkassen übernehmen in der Regel die anfallenden Kosten

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