10 Fragen zur Hyperhidrose an Dr. Prager
10 Fragen zur Hyperhidrose an Dr. Prager

Schwitzen ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers. Obwohl die Schweißproduktion für den Organismus lebensnotwendig ist, ist es den meisten Menschen sehr peinlich, wenn sich langsam nasse Flecken auf der Kleidung breitmachen. Zudem kommt in manchen Fällen noch ein unangenehmer Geruch hinzu. Während es normal ist, dass wir hin und wieder schwitzen, manchmal mehr und manchmal weniger, kann es vorkommen, dass einige Personen übermäßig schwitzen und sie sogar mehrmals am Tag ihre Kleidung wechseln müssen. In solchen Fällen spricht die Medizin von einer Hyperhidrose. Wir haben Dr. med. Welf Prager die wichtigsten Fragen zu diesem Thema gestellt und wollen euch die Antworten natürlich nicht vorenthalten!

1. Was versteht man unter dem Begriff „Hyperhidrose“?

Unter Hyperhidrose versteht man eine verstärkte Schweißproduktion, die sich nicht mehr im Normalbereich befindet. Krankhaftes (pathologisches) Schwitzen ist den Betroffenen meist sehr unangenehm, weshalb sie sich für eine Behandlung entscheiden, um so wieder leichter am alltäglichen Leben teilnehmen zu können. Häufig treten die Symptome vor allem unter den Achseln, an den Handflächen und an den Fußsohlen auf. Vor einer Behandlung ist es jedoch wichtig, die mögliche Ursache herauszufinden.

2. Wieso schwitzen wir und ab wann spricht man von übermäßigem Schwitzen?

Schweiß ist ein natürlicher Schutzmechanismus unseres Körpers und dient als Temperaturregulator. Steigt unsere Körpertemperatur an, wie beispielsweise im Sommer, dann beginnt unser Organismus damit, gegen die steigenden Grade anzugehen. Der Schweiß auf unserer Hautoberfläche verdunstet und durch diese Verdampfungskälte kühlt sich unser Körper wieder herunter. Ab mehr als 50 ml pro Minute an Achselschweiß spricht man in der Medizin von übermäßigem Schwitzen, allerdings wird das von jeder Person anders empfunden.

3. Was sind die Ursachen einer Hyperhidrose?

Beim normalen Schwitzen liegen die Ursachen bei einer natürlichen Reaktion des Körpers, wie beispielsweise Sport, Hitze, Fieber oder psychischen Faktoren wie Angst. Ist das Schwitzen hormonell bedingt, dann gibt es eine Reihe an unterschiedlichen Auslösern. Krankheiten oder Medikamente sind mögliche Ursachen, aber auch die Menopause kann dazu führen, dass sich vermehrt Schweiß bildet.

4. Wie stellt der Arzt die Diagnose, ob wirklich eine Hyperhidrose vorliegt?

Die Medizin spricht dann vom pathologischen (krankhaften) Schwitzen, wenn pro Minute mehr als 50mg Schweiß unter der Achsel entsteht. Ob eine Hyperhidrose vorliegt, können wir auf unterschiedliche Arten bestimmen. Zum einen gibt es die Gravimetrie-Messung und zum anderen den Minorschen Schweißtest. Bei der Gravimetrie kommt ein Kaffeefilter zum Einsatz. Diesen bekommt der Patient unter die Achsel gelegt und verbleibt dort für eine kurze Zeit. Anschließend wird der Kaffeefilter auf einer zuvor kalibrierten Waage gewogen. Je nach Gewicht der Schweißsekretion, lässt sich bestimmen, ob es sich hierbei um eine zu starke Schweißproduktion handelt.

Beim Minor-Test wird auf die schwitzende Hautstelle eine Iod-Lösung aufgetragen. Nachdem diese getrocknet ist, wird im zweiten Schritt eine feine Stärkeschicht auf das Hautareal gegeben. Bildet sich nun Schweiß, dann wird dies durch eine schwarze Verfärbung sichtbar gemacht.

5. Was ist der Unterschied zwischen der fokalen und der generalisierten Hyperhidrose?

Bei der fokalen Hyperhidrose sind vor allem die Handflächen, Fußsohlen und Achseln von der übermäßigen Schweißproduktion betroffen. Die generalisierte Hyperhidrose betrifft hingegen den kompletten Körper, sogar den Kopfbereich. Nicht selten haben Patienten, die unter der generalisierten Hyperhidrose leiden damit zu kämpfen, dass ihre Kleidung bereits nach nur kurzer Zeit durchgeschwitzt ist.

6. Was ist der Unterschied zwischen einer primären und sekundären Hyperhidrose?

Bei der primären Hyperhidrose gibt es keinen feststellbaren Auslöser, der für die übermäßige Schweißproduktion verantwortlich ist, sie kann somit auch bei vollkommen gesunden Menschen auftreten. Es wird vermutet, dass eine Fehlregulation des Nervensystems vorliegt und durch eine Überstimulierung des Nervs eine erhöhte Schweißproduktion auslöst.

Bei der sekundären Hyperhidrose lässt sich hingegen die Ursache bestimmen, sodass es in der Regel möglich ist, das Schwitzen in den Griff zu bekommen, wenn eine Behandlung des Auslösers erfolgt. Die Hyperhidrose ist hier also die Folge oder ein Nebeneffekt einer ernsthaften Erkrankung.

7. Welche konservativen Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Hyperhidrose und sind die Ergebnisse dauerhaft?

Um starken Schweiß unter den Achseln entgegenzuwirken, kann einerseits auf ein Antitranspirant zurückgegriffen werden, also ein spezielles Deo, das die Aktivität der Schweißdrüsen reduziert, oder, wenn dies nicht den gewünschten Erfolg bringt, eine Botoxbehandlung in Betracht ziehen, denn Botulinumtoxin blockiert die Schweißdrüsen. Allerdings hilft Botox nur bei lokalisiertem Schwitzen, wie am Kopf, an den Füßen und Händen oder am Hals. Die Wirkung hält zwischen sechs und zwölf Monaten an. Eine Alternative dazu stellt miraDry® dar. Bei dieser Methode werden die Schweißdrüsen mithilfe von Mikrowellen bei einer Temperatur von 65-70 Grad „verkocht“. Diese Methode ist dauerhaft.

8. Wie verläuft eine operative Behandlung einer Hyperhidrose und hält das Ergebnis dauerhaft?

Die Saugkürettage war früher die häufigste operative Methode. Dabei werden dem Patienten Schweißdrüsen dauerhaft abgesaugt. Die Saugkürettage ist heutzutage jedoch meiner Meinung nach veraltet, denn es gibt Behandlungen, die weitaus weniger invasiv und trotzdem sehr wirkungsvoll und dauerhaft sind, wie beispielsweise miraDry®. Bei der Sympathikus-Blockade findet eine Durchtrennung von Nerven, welche bestimmte Areale ansteuern, am Rücken statt. Es kann jedoch immer vorkommen, dass der Patient dann zwar an einer Stelle weniger schwitzt, dafür an einer anderen etwas mehr, das lässt sich leider nicht beeinflussen.

9. Ist es schädlich für meinen Körper, wenn ich mich gegen übermäßiges Schwitzen behandeln lasse?

Nein, denn in den Achseln befinden sich gerade einmal zwei Prozent aller Schweißdrüsen, das bedeutet also, dass man auch nach einer Behandlung noch schwitzen kann, allerdings in einem geringeren Ausmaß. Trotzdem ist die natürliche Temperaturregulation des Körpers nicht negativ beeinträchtigt, denn die restlichen 98% der Schweißdrüsen reichen vollkommen aus, um die Körpertemperatur regulieren zu können. Das Eindämmen von starker Schweißbildung erleichtert den Patienten in der Regel nicht nur den Alltag und gibt ihnen wieder ein Stück Lebensfreude zurück, sondern ist zudem sinnvoll um Krankheiten, wie Pilzerkrankungen, vorzubeugen.

10. Was kann ich generell tun, um starkes Schwitzen zu vermeiden?

Es gibt ein paar Hausmittel, die die Schweißregulation auf eine natürliche Weise beeinflussen können. Dazu gehören beispielsweise Salbeitee, Salbeitabletten oder Apfelessig. Beide Stoffe wirken schweißhemmend, da sich die Drüsen zusammenziehen und sich so die Schweißproduktion reduziert. Beim Apfelessig ist ein weiterer Pluspunkt, dass dieser die Bakterien, welche für den unangenehmen Geruch verantwortlich sind, neutralisiert. In der Regel gibt es einen Grund, weshalb wir beginnen zu schwitzen. Sollte es jedoch keine erkennbare Ursache geben und man schwitzt schon bei leichten Aktivitäten in einem Übermaß, dann ist es auf jeden Fall ratsam, einen Spezialisten aufzusuchen.

 

Dr. med. Welf Prager

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Allergologie und Phlebologie

Schon während seines Medizinstudiums war Dr. Welf Prager wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kardiologie und klinische Pharmakologie in Regensburg. Nach Abschluss seines Studiums begann Dr. Prager die Ausbildung zum Facharzt für Dermatologie. Im Jahr 1999 absolvierte er die Facharztprüfung und war anschließend Oberarzt an der Dermatologischen Klinik am Klinikum Kassel. Im Juli 2014 eröffnete Dr. Prager die Praxis Prager & Partner in Hamburg. Gemeinsam mit seinem Ärzte-Team decken sie ein besonders breites Spektrum der Dermatologie ab. Allgemeine und operative Hautbehandlungen, Allergologie, Lasermedizin, Venenbehandlungen, ästhetische Hautverschönerung sowie Körperformung zählen in der Praxis zu den Schwerpunkten. Neben seiner Praxistätigkeit lehrt Dr. Prager an der Universität Hamburg und hält regelmäßig Vorträge auf nationalen sowie internationalen Kongressen.