5 Aussagen, die Krebspatienten nicht mehr hören möchten! - MOOCI. Die Qualitätsinstanz
5 Aussagen, die Krebspatienten nicht mehr hören möchten!

So ziemlich jeder Krebspatient kennt sie vermutlich: Die immer wiederkehrenden, nervigen Fragen und Aussagen, die man so gar nicht mehr hören kann. Wir von Kurvenkratzer wollen ein wenig vermitteln und nicht nur über No-Go’s aufklären, sondern auch die Beweggründe für eine etwaige Abwehrhaltung ein wenig näher bringen, damit Außenstehende etwas besser verstehen können, was eigentlich dahintersteckt. Auch wenn es gut gemeint ist: Mit Sprüchen wie „Das wird schon wieder” oder “Bleib stark” hilfst Du Krebspatienten eigentlich nie, oftmals bewirken sie sogar das Gegenteil und es werden negative Gefühle bei Deinem Gegenüber ausgelöst. Eine Pauschalantwort für den richtigen Umgang mit Betroffenen gibt es nicht, jedoch einige Fettnäpfchen, die Du als Gesprächspartner gut vermeiden kannst. Wir haben uns umgehört und die Top 5 der Aussagen, die Patienten nicht mehr hören möchten, für Dich zusammengefasst.

1. „Du musst positiv denken“ / „Bleib stark“

Wie es gemeint ist: „Ich will Dich aufmuntern und Deinen Fokus auf das Gute lenken.“
Wie es ankommen kann: „Stell Dich nicht so an, es ist doch alles halb so schlimm.“

Der Alltag von Krebspatienten ist eine Achterbahnfahrt aus Höhen und Tiefen, durch die sie sich – mal besser, mal weniger gut – kämpfen müssen. Jeder Tag kann eine Herausforderung sein und neue Hürden mit sich bringen. Die Kraft der Gedanken ist nicht zu unterschätzen, aber ab einem gewissen Punkt gibt es Momente, in denen man einfach nicht mehr positiv denken kann oder will. Bei den Betroffenen kommt diese Aussage dann oft nur wie eine oberflächliche Floskel an, die ihnen weder hilft noch das Gefühl vermittelt, dass sie verstanden werden. Abgesehen davon tut es manchmal auch einfach gut, wenn es einem schlecht gehen und man für einen Augenblick im eigenen Selbstmitleid zerfließen darf – ob krank oder nicht.

2. „Das kenn’ ich auch…“

Wie es gemeint ist: „Ich kann nachvollziehen, wie Du Dich fühlst.“
Wie es ankommen kann: „Das ist ja normal, das hat doch jeder.“

Eines sei an dieser Stelle vorausgeschickt: Niemandem dürfen seine Schmerzen abgesprochen werden, denn jedes Gefühl des Unwohlseins hat seine Daseinsberechtigung und jeder Mensch dahinter das Recht, dafür ernst genommen zu werden. Dennoch sind die Beschwerden, mit denen man als Krebspatient konfrontiert ist, oftmals nicht mit denen von gesunden Menschen gleichzusetzen. Ein Vergleich kann sich für Betroffene daher auch wie ein Runtermachen der eigenen Schmerzen anfühlen und ist deshalb in vielen Situationen oft nicht zuträglich.

3. „So krank siehst Du ja gar nicht aus“ / „Aber gut schaust Du aus“

Wie es gemeint ist: „Du siehst wirklich sehr gut aus.“
Wie es ankommen kann: „So gut wie Du aussiehst, kannst Du ja gar nicht krank sein.“

Was vielleicht als Kompliment gedacht ist, fühlt sich für Krebspatienten oft wie ein Angriff an und impliziert für sie den Vorwurf, dass sie ja gar nicht so krank sein können, wie sie behaupten. Es kann bei ihnen so ankommen, als ob ihnen die Krankheit oder ihre Schmerzen abgesprochen werden. Sie zweifeln dann als Patient vielleicht sogar selbst daran, wenn ihnen alles wehtut. Auch wenn Patienten gesund aussehen, kann es ihnen durchaus sehr schlecht gehen. Im Gesicht sind sie ja schließlich nicht krank.

4. „Du bist ein Kämpfer“

Wie es gemeint ist: „Du bist so stark, Du schaffst alles. Ich will Dir Mut zusprechen.“
Wie es ankommen kann: „Mit Deinen ausgeprägten ‚Krebsfightskills’ wirst Du das schon irgendwie machen.“

Krebs ist kein Kampfsport. Die Diagnose gleicht zwar einem Schlag ins Gesicht, kein Roundhouse-Kick der Welt – auch nicht der von Chuck Norris höchstpersönlich –wäre jedoch dazu imstande, den Gegner in die Flucht zu schlagen. Patienten wurden weder speziell dazu ausgebildet mit der Krankheit umzugehen, noch haben sie auch nur die geringste Ahnung davon, wie sie diese ‚besiegen’ können. Sie versuchen einfach Tag für Tag ihr bestes zu geben, um mit der Situation, in die sich ganz unfreiwillig und unverhofft hineingeworfen wurden, bestmöglich umzugehen.

5. „Wie geht es Dir?“

Ein Klassiker. Du wirst Dich jetzt vielleicht fragen, was an dieser Frage verkehrt sein kann? Was für die meisten eine ganz triviale Aussage darstellt, ist für Patienten eine Frage, die sie in eine unangenehme Situation bringen kann. Sie befinden sich vielleicht gerade mitten in der Chemo-Therapie, haben mit starken Schmerzen oder Herausforderungen zu kämpfen. Und selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, sind sie wahrscheinlich meilenweit von einem „Es geht mir hervorragend“ entfernt. Was erwartet ihr Gegenüber von ihnen also? Sie haben Krebs und machen vermutlich gerade die schwerste Zeit ihres Lebens durch. „Wie geht es dir“ – häufig wird diese Frage allzu achtlos gestellt. Ernstgemeint braucht sie gegenüber Krebskranken jedoch sogar Mut. Mut, sich dem zu stellen, was dann als Antwort kommt. Allerdings sollte man sich vorweg selber die Frage stellen: Hab’ ich die Kraft, das auszuhalten? Hab’ ich die Zeit und Fähigkeit, Trost zu spenden oder einfach für den anderen da zu sein?

Was also darf man sagen?

Es gibt keine Pauschalantwort darauf, wie man mit Krebspatienten umgeht, vor allem auch weil jeder Mensch anders tickt, was es umso schwerer machen kann, die richtigen Worte zu finden. Grundsätzlich solltest Du Dich aber nicht davor scheuen, Dich ganz natürlich zu verhalten und auch Deine Fragen zu stellen. Du darfst neugierig sein – meistens sind Betroffene gerne dazu bereit, alle Fragen zu beantworten und aufzuklären. Ein offener Umgang mit der Krankheit ist enorm wichtig, um das Thema Krebs zu enttabuisieren. Wenn Du unsicher bist wie Du Dich am besten verhalten sollst, frage am besten einfach nach! Offenheit ist in jedem Fall der beste Weg, um sich zu verständigen.

Die Krankheit verursacht bei jedem unterschiedliche Einschränkungen, deshalb ist es wichtig, sich mit den Betroffenen auszutauschen. Außerdem reden Menschen mit Krebs auch gerne einmal über etwas anderes, als ihren Tumor und haben vor allem ein großes Bedürfnis nach Normalität. Sprecht also über den ganz normalen Alltag und die Themen, die euch tagtäglich beschäftigten. Humor ist erlaubt und sogar erwünscht! Lachen ist tatsächlich eine gute Medizin. Und wenn das Befinden einmal nicht so gut sein sollte, dann können es oft auch einfache Sätze sein, die helfen: „Möchtest Du alleine sein oder darüber reden?“, „Ich bin hier, wenn Du mich brauchst.“ Oder auch einfach: „Krebs ist scheiße. Richtig, richtig scheiße.“

Wir waren beim BrustkrebspatientInnen-Kongress von Europa Donna Austria und haben Patientinnen gefragt: „Welche Kommentare wollt ihr nicht mehr hören, wenn es um eure Krankheit geht?“ – Das Video dazu gibt es unter hier!

 

Autorin: Nicole Swoboda / Kurvenkratzer – InfluCancer

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