Brustrekonstruktion nach einer Krebserkrankung

Brustkrebs ist der am häufigste auftretende Tumor bei Frauen. Als Konsequenz ist oft eine (Teil-) Entnahme der Brust notwendig. Wir wollen Euch heute die Brustrekonstruktion vorstellen. Ein Eingriff der vielen Patientinnen Selbstbewusstsein und Lebensqualität zurückgibt.

Traurig aber wahr: Ungefähr jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Im Krankheitsverlauf haben die Betroffenen nicht nur mit der Sorge um ihre Gesundheit zu kämpfen, auch die bevorstehende Entnahme des Tumors, stellt eine seelische Belastung dar. Sie sehen sich mit der Angst konfrontiert, weniger attraktiv und weiblich zu erscheinen. Das Wissen, dass es rekonstruktive Maßnahmen zur Wiederherstellung der ursprünglichen Brustform und Größe gibt, erleichtert vielen Frauen zumindest ein wenig den schweren Weg.

Vorsorgliche Entfernung wegen vererbtem Brustkrebsrisiko

Von hundert Patientinnen weist jede fünfte bis zehnte ein vererbbares Brustkrebsrisiko auf. Viele Frauen entscheiden sich für eine präventive Entfernung der Brustdrüsen. So hat Angelina Jolie vor einiger Zeit eine Mastektomie inklusive Aufbau an beiden Brüsten durchführen lassen.

Sind in Deiner Familie Brustkrebs-Fälle bekannt, kannst Du mit Deinem Arzt eine Untersuchung vereinbaren. Dabei testet man Dein Erbmaterial auf die BRCA-Mutation (BReast CAncer). Solltest Du dieses Gen in dir tragen, kannst Du mit einem Experten abklären, ob eine vorsorgliche Operation für Dich in Frage kommt.

Der Vorteil gegenüber einem Eingriff nach der Diagnose: Abgesehen davon, dass in vielen Fällen das Risiko einer Erkrankung deutlich sinkt, erweist sich die Rekonstruktion als einfacher. Denn bei dem Eingriff entnimmt der Chirurg nur die Brustdrüsen, Brustwarze und Haut bleiben intakt. Es ist also lediglich ein Aufbau (mit Implantaten, Eigengewebe etc.) von Nöten.

Was Du vor der Operation wissen solltest

Zu aller erst: Nimm ein ausführliches Beratungsgespräch bei einem qualifizierten plastischen Chirurgen wahr. Lass Dich über die verschiedenen Möglichkeiten und Risiken aufklären und stelle sicher, dass keine Fragen offenbleiben.

Es handelt sich um einen invasiven Eingriff, der unter Vollnarkose durchgeführt wird. Das heißt, es ist ein stationärer Krankenhausaufenthalt von drei bis zu 14 Tagen notwendig.

Grundsätzlich gilt dies für alle Operationen: Du solltest mit dem Rauchen aufhören! Es schadet der Durchblutung und beeinträchtigt die Wundheilung. Auch auf Alkohol und blutverdünnende Medikamente solltest Du mindestens eine Woche vorher und nachher verzichten.

Wie bei jeder Operation kann es zu Komplikationen, wie Infektionen, Blutungen, Wundheilungsstörungen etc. kommen. Entgegen mancher Behauptungen hat eine Brustrekonstruktion jedoch keine Auswirkungen auf ein erneutes Auftreten des Brustkrebses!

Untersuchung der Brust
Untersuchung der Brust

Primär- oder Sekundärrekonstruktion? Der richtige Augenblick.

Liegt bereits die Diagnose einer Erkrankung vor, kommen für eine Brustrekonstruktion zwei verschiedene Zeitpunkte in Frage: Entweder führt der Arzt den Eingriff im Zuge der Tumorentfernung durch, oder erst nachdem die Entnahme erfolgreich verheilt ist. Welche Methode zu wählen ist, hängt von mehreren Einflussfaktoren ab.

Wenn sich Patientinnen noch einer Strahlentherapie unterziehen müssen, empfiehlt sich ein Aufschub der Rekonstruktion. Denn die Strahlung beeinträchtigt Durchblutung und Wundheilung. Zudem kann es beim Einsatz eines Implantates zu einer Kapselfibrose (Unverträglichkeit des Implantats) kommen. Da eine Primärrekonstruktion anstrengend und langwierig ist, sollte auch bei einem schlechten Allgemeinzustand auf diese simultane Operation verzichtet werden.

Sofern die Patientin den Umständen entsprechend fit ist und eine Strahlentherapie nicht notwendig ist, steht einer sofortigen Rekonstruktion in der Regel nichts im Wege.

Schritt 1: Brustaufbau

Die Rekonstruktion einer Brust verläuft, abseits der Entfernung des Tumors, in zwei bis drei Schritten. Zuerst wird dabei die Brust aufgebaut und der Arzt stellt Haut sowie Brustgewebe wieder her. Auch in Bezug auf die hier anzuwendenden Techniken gibt es verschiedene Möglichkeiten, die wir Dir kurz vorstellen möchten. Dein Arzt wird Dich hinsichtlich Zeitpunkt und Methodik jedoch am besten beraten können.

Brustrekonstruktion mit Eigengewebe

Bei der Eigengewebskonstruktion entnimmt der Arzt Gewebe aus Rücken, Unterbauch, Oberschenkelinnenseite oder Gesäß und setzt es zur Formung der Brust ein. Dadurch kommen keine körperfremden Materialien zum Einsatz.

Die Operation dauert jedoch meist länger und Du musst mit zusätzlichen Narben an den Entnahmestellen rechnen. Zudem kann es an diesen zu Bewegungs- und Gefühlsbeeinträchtigungen kommen.

Brustrekonstruktion mit Implantaten

Sofern genügend Haut zur Abdeckung vorhanden ist, kann ein Implantat (aus Silikon oder Kochsalz) zum Einsatz kommen. Ist diese nicht ausreichend vorhanden, kann der Arzt sie mit einem Expander (eine Art Silikonhülle) strecken. Dieser wird allmählich gefüllt und sobald er die gewünschte Größe erreicht hat, durch das Implantat ersetzt. Die Technik ist besonders bei Frauen mit kleinen bis mittelgroßen Brüsten geeignet, da bei einem großen Busen eine Straffung oder Verkleinerung der gesunden Brust notwendig sein könnte.

Wie bereits erwähnt, empfiehlt sich diese Methode nicht bei anstehender Strahlentherapie. Diese erhöht zusätzlich das bestehende Risiko einer Kapselfibrose.

Brustrekonstruktion mit einer Kombination von Eigengewebe und Implantaten

Falls der Einsatz von Eigengewebe nicht genügend Volumen erzeugen kann, kombinieren die Ärzte die Transplantation mit einem Implantat, um so eine Symmetrie herzustellen.

Brustrekonstruktion mit Eigenfett

Sofern die Fettdepots ausreichend sind, kann der Arzt an Bauch oder Oberschenkeln Fett abgesaugen, aufbereiten und in die Brust injizieren. Ähnlich, wie bei der Rekonstruktion mit Implantaten, kann eine Dehnung der Haut notwendig sein.

Hier besteht das Risiko des Entstehens von Ölzysten und Verhärtungen.

Schritt 2: Rekonstruktion der Brustwarze und des Vorhofs

Erst nachdem der Aufbau der Brust abgeschlossen ist (in etwa zwölf Wochen nach der Operation), kann der Arzt die Brustwarze rekonstruieren. Dafür kann der Chirurg entweder einen Teil der gesunden Brustwarze verwenden oder diese mit transplantiertem Gewebe formen und tätowieren. Die Modellierung des Vorhofes erfolgt auf dieselbe Art und Weise.

Manchmal entspricht das Ergebnis nicht gänzlich den Vorstellungen der Patientin. Um Asymmetrien wieder auszugleichen kann der Chirurg an der gesunden Brust eine Bruststraffung, Brustvergrößerung oder Brustverkleinerung vornehmen.

Was du nach einer Brustrekonstruktion beachten solltest

Damit die Wunden optimal verheilen können und das Ergebnis nicht beeinträchtigt wird, solltest Du folgende Dinge berücksichtigen:

    • Trage den Stütz-BH wie angeordnet rund um die Uhr für vier bis sechs Wochen.
    • Schmerzen und Spannungsgefühle bekommst Du medikamentös in den Griff. Nimm ausschließlich die vom Arzt verordneten Arzneien!
    • Nach drei Tagen kannst Du mit Duschpflastern duschen, Bäder sind bis zur Verheilung der Wunde tabu.
    • Schone Dich und verzichte in den ersten vier Wochen auf körperliche Anstrengung, Sport sowie schweres Heben.
    • Nach ungefähr sechs Wochen kannst Du meist Deinem Alltag wie gewohnt nachgehen.
    • Arbeitsfähig (Schreibtischtätigkeiten) bist Du nach ein bis zwei Wochen.
    • Narben sind sechs Monate lang keiner Sonnenstrahlung auszusetzen und mit Cremen zu pflegen, damit sie schön verheilen können.
    • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen zur Wundkontrolle und Überprüfung des Krankheitsbildes solltest Du unbedingt wahrnehmen!
 

Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen

Erfreulicherweise übernehmen die Krankenkassen alle Behandlungskosten des Brustkrebses. Dazu zählt auch die Rekonstruktion der erkrankten Brust. Zu beachten ist jedoch, dass bei möglichen Asymmetrien eine Angleichung der gesunden Brust in der Regel nicht übernommen wird. Ob der Eingriff bei Dir zur Gänze gedeckt wird, klärst Du am besten vorab mit dem Arzt beziehungsweise der Krankenkasse ab.

Alles Wichtige zur Brustrekonstruktion noch einmal zusammengefasst:

  • Eine Brustrekonstruktion aufgrund einer Brustkrebserkrankung kann entweder simultan mit der Entfernung des Tumors, oder einige Wochen später erfolgen.
  • Es gibt unterschiedliche Techniken: Eigengewebe, Eigenfett, Implantat oder Kombinationen daraus.
  • Die Wahl des richtigen Zeitpunktes und der besten Technik kann nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen, der das Krankheitsbild und die körperlichen Gegebenheiten kennt.
  • Die Rekonstruktion der Brustwarze und des Warzenvorhofes erfolgt erst nachdem die aufgebaute Brust verheilt ist.
  • Neben üblichen Komplikationen, die bei einer Operation auftreten können, birgt jede Technik eigene Risiken.
  • Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Brustrekonstruktion.

Die Ergebnisse einer Brustrekonstruktion hängen unter anderem von der Erfahrung und Expertise des Chirurgen ab. Wende Dich also nur an einen qualifizierten Arzt, dem Du voll vertraust.

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