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Neue Therapiemöglichkeiten bei Akne?

Schätzungsweise leiden 85% der Menschen im Alter zwischen 12 und 24 Jahren an Akne. Da ist es kaum verwunderlich, dass dieses Gebiet der Dermatologie besonders stark erforscht wird. Solltest Du also auch an Akne leiden und im Web nach ersten Informationen suchen, findest Du bestimmt zahlreiche verschiedene Theorien, die von Hausmitteln bis Antibiotika reichen, wie Du Akne behandelt kannst. Bei schwereren Formen von Akne helfen Hausmittel leider nur bedingt, eine Behandlung mit Antibiotika führt allerdings meistens zu Nebenwirkungen wie ausgetrockneter Haut oder hoher Sonnenlichtsensibilität. Was ist also die richtige Lösung? Wir haben die Entstehung und Behandlung von Akne genauer unter die Lupe genommen, stellen Dir Forschungsergebnisse und verschiedene Therapiemöglichkeiten vor.

Entstehung von Akne

Akne ist eine entzündliche Erkrankung der Talgdrüsenfollikel, die in verschiedenen Stärken auftreten und teilweise sogar schmerzhaft sein kann. Die Erkrankung kommt interessanter Weise vermehrt in entwickelten Ländern mit westlichem Lebensstil (viel Milch und Kohlenhydrate) vor. Die Ursachen von Akne können ganz unterschiedlich sein und sind meistens entweder genetisch oder hormonell bedingt. Aber wie genau kann Akne entstehen?

Patienten mit Akne Erkrankung können unter einer erhöhten Bildung von sogenanntem  Akne sebum leiden. Akne sebum besteht aus verschiedenen Fetten, die entzündungsfördernd wirken und in den Talgdrüsen Deiner Haut gebildet werden. Treten Sie nach außen, sind sie als glänzende Fettschicht erkennbar. Dieses Akne sebum führt zum verstärkten Auftreten von Propionibacterium acnes – dem Bakterium, das letztendlich für die Entstehung der Akne Pickel sorgt. Akne sebum verstopft deine Talgdrüsen und die klassischen Pickelchen entstehen. Meistens sind daher besonders die Hautareale mit zahlreichen Talgdrüsen, nämlich Gesicht, Rücken und Brust, betroffen.

Außerdem kann Akne mit einer erhöhten Insulinresistenz zusammenhängen. Deshalb lässt sich auch erklären, weshalb Akne vermehrt in westlichen Ländern auftritt: Speisen mit hyperglykämischen Kohlenhydraten (besonders Produkte mit Weißmehl und Zucker) erhöhen den Blutzuckerspiegel nach dem Essen rasch, es kommt zum Anstieg von Insulin und Akne kann gefördert werden. In einer Studie mit über 3.000 Testpersonen fanden Forscher einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Entstehung von Akne und dem übermäßigen Konsum von Chips, Schokolade und sonstigen Süßigkeiten. Weitere Studien konnten zeigen, dass auch der Konsum von Milchprodukten zu einer signifikant erhöhten Bildung von Akne führt. Es wird vermutet, das die in der Milch enthaltenen Hormone Akne fördern können und hoher Milchkonsum Insulinresistenzen auslösen kann. Der Zusammenhang zwischen Ernährung und der Bildung von Akne wird aktuell sehr stark erforscht – Forscher sind sich dabei in einigen Punkten dennoch uneinig.

Fälschlicherweise wird Akne oft mit unzureichender Hautpflege verbunden, was allerdings in den meisten Fällen nicht der Grund für Akne ist. Im Gegenteil – zu häufiges Waschen kann die Akne sogar verschlimmern. Vielmehr sind es Faktoren wie Stress, ein ungesunder Lebensstil und die erhöhte (angeborene oder homonell bedingte) Produktion von Talg. Wichtig ist daher, dass Dich Dein Arzt vor Behandlungsbeginn ordentlich untersucht und der Ursache Deiner Akne auf den Grund geht. So kann er auch feststellen, ob es sich bei Dir um leichte (Pickeln), mittlere (Knoten) oder schwere Akne (zusätzliche Krankheitserscheinungen) handelt. Beispielsweise kann Dein Arzt eine Hormonanalyse durchführen, um weiter festzustellen, ob Deine Akne hormonell bedingt ist. Außerdem können bestimmte Blutwerte, Hautpflegeroutinen oder Dein allgemeiner Lebensstil Aufschluss darüber geben, woher Deine Akne kommt. Aber keine Sorge:

“Akne ist auf jeden Fall heilbar. Man muss aber Geduld mitbringen. Das ist meine Hauptaufgabe als Hautarzt, gemeinem mit meinen Patienten ein individuelles Konzept zu überlegen. Wir sehen uns genau die Pflege, Ernährung und weitere Einflüsse an und schnüren dann ein passendes Konzept.”  Dr. med. Bisschoff, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Klassische Stufen der Therapien

Je nach Stadium der Akne Erkrankung, lassen sich prinzipiell drei Stufen der Therapie unterscheiden. In einem ersten Schritt solltest Du Deine tägliche Pflegeroutine, Deine Kosmetikprodukte und Deinen Lebensstil (besonders Nahrung) anpassen. Je weniger Produkte Du auf die betroffenen Stellen aufträgst, desto besser. Solltest Du Deine Akne dennoch mit Kosmetik überdecken wollen, greife lieber zu ölfreien, fettfreien und als nicht-komedogen gekennzeichneten Produkten. Wichtig ist, dass Du Deine Haut regelmäßig, aber nicht übermäßig, reinigst und sie mit hochwertigen Feuchtigkeitsseren versorgst. Frage am besten Deinen Arzt, welche Produkte du verwenden kannst und von welchen du lieber Abstand halten solltest.

 

 

Reichen diese Veränderungen nicht aus, kann eine topische Therapie zum Einsatz kommen. Dabei wendest du Salben oder Cremes an, die Du direkt auf der betroffenen Stelle aufträgst. Meistens sind diese Salben verschreibungspflichtig, da sie bereits Antibiotika enthalten können. Folgende Inhaltsstoffe werden bei der topischen Therapie zu Behandlung von Akne am häufigsten angewendet:

Retinoide
Retinoide (Tretinoin) werden aus Vitamin A gewonnen, wirken anti-komedogen und können bei richtiger Anwendung die Verstopfung Deiner Haarfollikel verhindern. Zudem haben sie einen anti-inflammatorischen Effekt, sie verringern also die Bildung von Pusteln.

Antibiotika
Antibiotika (Erythromycin, Clindamycin, Tetrazyklin oder Nadifloxacin) sollen die überschüssigen Hautbakterien und Rötungen verringern. Meistens verschreiben Ärzte zusätzliche Medikamente (Benzoylperoxid), um eine mögliche Antibiotika-Resistenz vorzubeugen. Diese Antibiotika nehmen Aknepatienten meistens für mehrere Monate, oft auch in Kombination mit Retinoiden.

Glukokortikoide
Glukokortikoide gehören zu den Hormonen und sind eine Art von Kortison. Sie sind meistens in Cremes enthalten und können, kurzzeitig angewendet, die entzündeten Stellen behandeln.
Salicylsäure und Azelainsäure: Diese beiden Säuren sind natürlichen Ursprungs und wirken antibakteriell. Eine Behandlung mit Salicylsäure oder Azelainsäure kann daher beispielsweise bei Schwangeren eine gute Alternative sein, allerdings kann es zu Hautirritationen kommen.

Erst, wenn all das zu keiner Besserung Deiner Haut beitragen konnte, wird eine orale Therapie (Tabletten) beziehungsweise eine systemische Behandlung mit hochdosierten Vitaminen oder auch Hormonen und Antibiotika empfohlen. Dein Arzt klärt Dich genau über die Dauer der Behandlung, die möglichen Nebenwirkungen und worauf Du achten solltest, auf.

Antibiotika
Besonders bei mittlerer und schwerer Akne können Antibiotika (zum Beispiel Tetracyclin oder Makrolide) eingesetzt werden, um die unerwünschten Hautbakterien sowie die Entzündungen zu bekämpfen. Um eine mögliche Antibiotika-Resistenz zu verhindern, sollte Dein Arzt die Behandlung optimal abstimmen, sodass Du die Antibiotika nur so lange einnimmst, wie es auch unbedingt notwendig ist. In einigen Fällen kann eine Kombinationstherapie mit Retinoiden sinnvoll sein.

Isotretinoin
Isotretinoin (meist in Form von Kapseln) hemmt Deine Zellen Talg zu produzieren, dadurch fühlt sich auch das Akne-auslösende Bakterium Propinoin acnes nicht mehr wohl und Deine Akne kann verschwinden. Auch dieses Medikament wird in der Regel erst bei schweren Formen von Akne eingesetzt.

All diese Wirkstoffe haben leider auch einige Nebenwirkungen, weshalb Du unbedingt regelmäßig mit Deinem Arzt in Kontakt bleiben solltest. Du musst regelmäßige Laborkontrollen einhalten und Dich bei Problemen sofort an Deinen Arzt wenden. Zudem dürfen diese Medikamente während und gewisse Zeit nach der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden, eine sichere Verhütungsmethode ist daher zwingend notwendig.

Kombinierte orale Verhütungsmethoden
Frauen können die Pille mit Anti-Androgenen kombinieren. Diese verringern ebenfalls die Talgproduktion und auch die Anzahl der Komedonen.

Zusätzliche und neue Therapiemöglichkeiten

Zusätzlich zu den oben genannten klassischen Therapien können auch weitere Behandlungen unterstützend angewendet werden. Meistens wirken diese jedoch nur, sofern die Akne noch nicht allzu stark ausgebildet beziehungsweise die Ursache der Akne nur oberflächlich bedingt ist.

Phototherapie und Laserlicht
UV-Strahlen können anti-inflammatorisch wirken und damit eine Verbesserung der Akne erzielen. Allerdings solltest Du dich nicht ohne ausreichenden Sonnenschutz in die direkte Sonne legen, um Krebs vorzubeugen – somit ist die UV-Therapie nicht unbedingt empfehlenswert. Stattdessen kannst Du eine Behandlung mit Blaulicht durchführen. Blaulicht hat einen antimikrobiellen und entzündungshemmenden Effekt, wobei die Propionibacterium acnes abgetötet werden können. Hier sind noch weitere Studien notwendig, die die genaue Dosierung des Lichtes und die Methode optimieren.
Außerdem gibt es die Behandlung mit Laser, wobei das gepulste Laserlicht die Akne auslösenden Bakterien abtötet. Zudem regt der Laser Deinen körpereigenen Reparaturprozess und die Produktion von Kollagen an. So kannst Du die Bildung von neuen Narben verhindern, alte Narben werden verbessert und es entstehen weniger neue Aknepickel. Für optimale Ergebnisse solltest du die Behandlung regelmäßig wiederholen.
Die Phototherapie sowie Therapien mit Laserlicht konnten in Studien die positive Verbesserung des Hautbildes bestätigen. Allerdings gibt es noch keine eindeutigen Vergleichsstudien, ob diese Therapien die selbe Wirkung wie klassische Therapien erzielen können. Daher empfiehlt es sich diese Therapien in Absprache mit dem Arzt als Kombinationstherapien anzuwenden.

Chemische Peelings
Bei chemischen Peelings wird Deine Haut mit Salicylsäure oder Glykolsäure gereinigt. Die oberste Hautschicht löst sich dadurch ab und es kommt zu einer Verbesserung des Hautbildes. Allerdings musst Du die Behandlung regelmäßig wiederholen.

Medizinische Ausreinigung
Auch die medizinische Ausreinigung der Pickel stellt eine mögliche Behandlung Deiner Akne dar. Dein Arzt verwendet dabei spezielle Instrumente, um die Pickel zu entfernen. Entweder kann er den Pickel direkt ausdrücken, oder er muss ihn zuvor erst durch sanftes Anritzen öffnen. Nachteil an dieser Behandlung ist, dass eventuell Narben entstehen können. Mehr Infos zur Behandlung von Aknenarben findest du hier.

Akne-Impfstoff
Forscher entwickelten erstmals einen Impfstoff, der gegen Akne helfen könnte. Dies wäre die erste Behandlungsmethode, bei der die Akne Bakterien direkt in der Haut anvisiert werden, anstatt die Krankheitserreger zu unterdrücken. Allerdings sind noch weitere Studienergebnisse nötig, bis der Impfstoff tatsächlich auch angewendet werden kann.

Welche Therapie letztendlich für Dich optimal geeignet ist, kann Dein Arzt nach einem ausführlichen Beratungsgespräch und anhand von Tests feststellen. Dabei muss nicht immer eine medikamentöse Behandlung angewendet werden, es gibt mittlerweile auch zahlreiche neue Therapiemöglichkeiten und gute Kombinationstherapien. Wichtig ist aber, dass Du bereits bei ersten Anzeichen von Akne einen Spezialisten aufsuchst, um die Erkrankung so rasch wie möglich zu behandeln. Lasse Dich von Deiner Akne nicht beunruhigen, denn der Großteil der Menschen leidet einmal im Leben an Akne. In optimaler Absprache mit Deinem Arzt kannst Du die Erkrankung auch erfolgreich bekämpfen, du benötigst nur ein wenig Geduld!

Mehr Infos und Tipps über Akne findet ihr hier
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