Telemedizin - nur ein Trend oder doch die Zukunft?
Telemedizin – nur ein Trend oder doch die Zukunft?

“Telemedizin” – dieses Wort hast Du in letzter Zeit bestimmt schon einmal gehört, oder etwa doch nicht? Immer mehr Experten, Ratgeber und Studien beschäftigen sich mit Kommunikationstechnologien der Zukunft im Bereich der Medizin und es scheint, als würden Ärzte bald nicht mehr ohne Telemedizin auskommen. Doch was ist Telemedizin eigentlich genau, wie kann sie eingesetzt werden und welche Vorteile kann sie sowohl für Ärzte als auch für Patienten bringen? Wir haben uns mit diesem Thema genauer beschäftigt und fassen die wichtigsten Erkenntnisse für Dich zusammen.

Was ist Telemedizin eigentlich?

Das österreichische Sozialministerium definiert Telemedizin als übergeordneten Begriff für verschiedenste Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung von Leistungen des Gesundheitswesens. Dabei sind der Gesundheitsdiensteanbieter (zum Beispiel der Arzt, ein Krankenhaus, etc.) und der Patient örtlich getrennt. Mithilfe von diversen Technologien können die beiden Kommunikationspartner aber dennoch medizinische Informationen über Bild-, Video und Tonmaterial zur Diagnose, Behandlung oder Nachbehandlung austauschen.

Als Beispiel können wir die Diagnose von dermatologischen Krankheiten nennen. Mithilfe der Telemedizin können Patienten über eine App ein Foto ihrer Hautkrankheit machen, ein spezieller Algorithmus erkennt dann sofort, um welche Krankheit es sich handelt. Oder der Patient nutzt ein anderes System, um sich die Diagnose direkt von einem entfernten Arzt zu holen. Auch dermatologische Nachuntersuchungen, die sowohl für Patienten als auch für Ärzte oftmals sehr zeitaufwendig sind, können mittels Telemedizin erfolgen, sodass die App erst Alarm schlägt, sobald bestimmte definierte Grenzwerte überschritten sind.

Die Telemedizin lässt sich dabei in vier Teilbereiche teilen

#1 Telemonitoring

Unter Telemonitoring versteht man Kommunikationstechnologien, die die Überwachung von Patienten aus der Ferne garantieren. Dass Telemonitoring bereits erfolgreich eingesetzt werden kann, zeigen Beispiele aus der Diabetesversorgung. So können spezielle Apps Patientendaten wie Gewicht oder Zuckerwerte automatisch in ein elektronisches Diabetikertagebuch einspielen. Der behandelnde Arzt erhält diese Daten in Form einer übersichtlichen Auswertung und kann so direkt die Behandlung anpassen oder den Patienten auch zur Kontrolle bitten.

Solche Systeme können natürlich auch in anderen medizinischen Bereichen angewendet werden und bieten für Patienten einen besonderen Mehrwert. Einerseits kann Telemonitoring zur Verbesserung der Vitalwerte beitragen, andererseits fühlen sich Patienten sicher und gut überwacht. Für Ärzte kann der Vorteil sein, die Patienten erst dann in die Ordination einzubestellen, sofern tatsächlich der Bedarf danach entsteht. Auch die Messwerte sind chronologisch und übersichtlich aufbereitet, was zur Optimierung der Therapie beitragen kann.

#2 Teletherapie

Die Teletherapie ist bereits einen Schritt weiter, denn dabei führt der Arzt oder sonstige Gesundheitsdiensteanbieter bereits die Behandlung über die Entfernung durch. Dies ist besonders im amerikanischen Raum bereits großer Trend. Erkennt der Arzt beispielsweise, dass die Therapie für Bluthochdruck akut angepasst werden muss, kann er über ein Programm dem Patienten die richtigen Anweisungen zukommen lassen. So kann der Patient – ohne einen Weg auf sich nehmen zu müssen oder Zeit zu investieren – die Behandlung sofort anpassen. Vorteil für den behandelnden Arzt ist natürlich, dass sich dieser die Zeit für eben diese Patientenbesuche ersparen und für andere Patienten nutzen kann.

Beispielsweise untersuchte eine Studie den optimalen Arbeitsablauf für die postoperative telemedizinische Behandlung. Die Ergebnisse zeigten, dass fast 100% der Patienten mit der postoperativen telemedizinischen Behandlung zufrieden waren und auch bereit wären, die postoperative Behandlung bei zukünftigen Operationen über Telemedizin durchzuführen.

#3 Telekonzil

Von Telekonzil spricht man, sofern sich Patienten einen Fernbefund als Zweitmeinung einholen. Dies betrifft beispielsweise den Befund von Röntgenbildern oder verschiedensten Vitalwerten.

#4 Telekonferenz

Bei der Telekonferenz kann ein entfernter Arzt einen anderen Arzt oder sonstige Gesundheitsdiensteanbieter (zum Beispiel Krankenhaus) in den Behandlungsvorgang mit einbeziehen. So können beispielsweise Spezialisten über die Telekonferenz herangezogen werden und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die optimale Therapie für den Patienten finden.

Fazit

Der Bereich der Telemedizin ist aktuell sehr stark im Trend. Kein Wunder, denn die Digitalisierung ist auch bei Ärzten bereits angekommen und bietet viele neue Möglichkeiten und großes Potenzial. Zahlreiche Studien versuchen immer wieder herauszufinden, was einerseits die Bedürfnisse der Patienten und andererseits der Ärzte zur optimalen Durchführung von Telemedizin sind. Gewisse Vorteile sind durch die Telemedizin jedenfalls gegeben. So können beispielsweise auch Patienten in ländlichen Gegenden medizinisch gut versorgt werden, Patienten sparen sich (teilweise unnötige) Arztbesuche, Ärzte sparen sich Zeit bei klassischen Routineuntersuchungen und können Behandlungsschritte oder -veränderungen sofort anpassen.

Allerdings besteht Klärungsbedarf in einigen Bereichen. Beispielsweise ist rechtlich noch nicht jede Idee umsetzbar. Außerdem müssen Patienten und Ärzte die verschiedenen Programme erst erlernen und auch richtig anwenden, um effizient sein zu können. Viele Experten sind sich jedoch klar: Telemedizin ist kein Trend, sondern wird noch ein großes Thema in der Zukunft darstellen. Aktuell besteht hoher Forschungsbedarf, auch zahlreiche IT-Systeme müssen erst entwickelt, ausgebaut und optimiert werden. Denn eines ist klar: Sicherheit und Qualität für die medizinische Betreuung stehen immer an oberster Stelle.

 

Quellen

Sozialministerium

Bundesärztekammer