Wenn Mama oder Papa Krebs hat - Hilfe für Kinder
Wenn Mama oder Papa Krebs hat: Wie kann ich mein Kind unterstützen?

40.000 Menschen erkranken in Österreich jährlich an Krebs, nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellt Krebs die zweithäufigste Todesursache dar. Zwar ist überwiegend die ältere Bevölkerung betroffen, grundsätzlich kann die Erkrankung jedoch in jedem Alter auftreten. Egal ob jung oder alt, die Diagnose ist stets ein Schock und stellt einen tiefen Einschnitt in den Alltag dar. Eine Krebserkrankung betrifft meist die ganze Familie, vor allem Kinder sind nicht selten mit der Situation überfordert, wenn ein Elternteil erkrankt. Diese Überforderung gilt meist auch für die Eltern, denn es steht die große Frage im Raum, wie man den Kleinen beibringt, was gerade passiert. Wir haben ein paar Anregungen in diesem Beitrag und hoffen, dass sie Dir vielleicht etwas helfen können!

Offenheit und Vertrauen

Vor allem eher junge Patienten stehen meist voll im Berufsleben und managen nebenbei Beziehung, Haushalt und Kinder. Zusätzlich zur Sorge um die eigene Zukunft und die Frage, wie und ob man mit der Krankheit fertig wird und was alles auf einen zukommt, sind Betroffene dann mit der Sorge um die eigenen Kinder konfrontiert.
Habe ich weiterhin die Kraft mich um sie zu kümmern? Werde ich sie weiterhin aufwachsen sehen? Soll ich sie über die Situation aufklären? Und wenn ja, welche Worte soll ich wählen und wie viel darf und soll ich ihnen sagen?

Gerne neigt man dazu, die Wahrheit zu verbergen, so zu tun als wäre alles in Ordnung, um die Kinder nicht unnötig zu beunruhigen. Doch schon seit längerem wissen Experten, dass Kinder aufmerksamer sind als wir denken und sehr wohl merken, wenn etwas nicht stimmt.
Sie spüren die Ängste und Unsicherheiten der Eltern und verstehen nicht, warum weniger Zeit und Aufmerksamkeit für sie bleibt. Psychologen raten daher, offen anzusprechen, was geschieht und warum es Mama oder Papa nicht gut geht.

Von größter Bedeutung dabei ist außerdem Kindern verständlich zu machen, dass sie selbst keine Schuld an dem Zustand haben. Grundsätzlich sollte die gesamte Therapiedauer hindurch eine offene Gesprächskultur bestehen! Kinder müssen das Gefühl bekommen, dass sie miteinbezogen werden und jederzeit Fragen stellen dürfen – nur so kann das nötige Vertrauen gestärkt werden, denn sie wollen als gleichwertig behandelt werden und ebenso helfen wie der Rest der Familie und Freunde. Sie lernen dabei, mit Veränderungen umzugehen, sich an schwierige Situationen anzupassen und Rücksicht auf den kranken Elternteil zu nehmen.

Natürlich stellt sich auch die Frage, ab welchem Alter man Kinder mit so einer Diagnose und schlechter Nachricht konfrontieren „darf“. Zwar gibt es hier keine verlässliche Regel, denn jedes Kind ist anders und im selben Alter dennoch in der Entwicklung unterschiedlich weit, doch ist es sinnvoll, sobald die sprachlichen Ressourcen und das Verständnis vorhanden sind, behutsam die Situation zu erklären und vor allem die Möglichkeit zu geben sich auf künftige Veränderungen im Alltag einzustellen.

Allein gelassen

Leider läuft es manchmal ganz anders. Der Schock sitzt tief, man möchte verdrängen, was vor sich geht und was alles noch auf einen zukommt. Es den Kindern zu sagen, würde die Diagnose noch realer machen und unnötig Ängste verbreiten. Die medizinische und psychologische Betreuung richtet sich selbstverständlicherweise an die Erkrankten selbst, lange Zeit wurde wenig Rücksicht darauf genommen, dass Angehörige und Kinder genauso mitleiden. Kinder merken, wenn ihnen etwas verheimlicht wird, sie erleben dies als psychische Belastung, die sich auf Dauer durchaus negativ auf den Gesamtzustand auswirken kann. Folgende Symptome und Verhaltensauffälligkeiten können dabei auftreten und gleichzeitig Hinweis sein, dass das Kind im Stillen mitleidet:

  • Isolation / Zurückgezogenheit
  • Ein- und Durchschlafstörungen, Albträume, Bettnässen
  • Aggressives Verhalten
  • Kommunikationslosigkeit / Schweigen / kein Eingehen auf Gespräche
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Nachlassen der schulischen Leistungen
  • Psychosomatische Beschwerden (Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Immundefekte mit häufigen grippalen Infekten…)

Sollte es zu Symptomen dieser Art kommen, ist es auf jeden Fall ratsam, eine psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Dabei werden die Kinder einzeln betreut, es werden jedoch ebenfalls Familiensitzungen angeboten, in denen mit professioneller Hilfe ein offenes Gesprächsklima geschaffen wird, in dem Sorgen, Ängste und zukünftige Verhaltensweisen angesprochen werden können.

Beratung und Prävention

Gleichzeitig können solche Angebote nicht erst genutzt werden, wenn familiäre Probleme, Ängste und Verhaltensauffälligkeiten bereits bestehen, sondern sollten schon frühzeitig und präventiv in Betracht gezogen werden. Das gemeinsame Gespräch unterstützt nicht nur Kinder, sondern auch Partner und den Patienten selbst. Hierbei stehen ganz unterschiedliche Formen von Betreuung zu Verfügung. Diese können entweder langfristig und über das gesamte Erkrankungsstadium hinweg erfolgen, oder aber eine einmalige, in manchen Fällen auch rein telefonische Hilfestellung sein, bei der von Spezialisten gelernt wird, wie und mit welchen Worten man die Diagnose selbst, aber auch Ängste, Hoffnungen und Wünsche, den Angehörigen mitteilt.

Die Psychoonkologie, also die spezialisierte psychologische Betreuung Krebskranker, gilt heute als eigene Zusatzausbildung, die jedem Patienten und jeder Patientin zu Verfügung steht. In den meisten Fällen wird der behandelnde Krebsspezialist im Krankenhaus selbst Kontakte zu psychoonkologischen Anlaufstellen empfehlen, sollte dies nicht der Fall sein, gibt es zahlreiche Adressen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, an die Du Dich wenden kannst:

  • Die österreichische Krebshilfe (www.krebshilfe.net) gilt als zentrale Anlaufstelle in Österreich mit Standorten in allen Bundesländern und sowohl telefonischer als auch persönlicher Beratung.
  • Zahlreiche Krankenhäuser in Österreich arbeiten mit Psychoonkologen zusammen, die direkt Beratungsgespräche anbieten (http://www.krebsimfokus.at)
  • Die OEGPO (Österreichische Gesellschaft für Psychoonkologie) empfiehlt als direkte Anlaufstelle ausgewählte psychologische Spezialisten.
  • Der deutsche Krebsinformationsdienst als Initiative des deutschen Krebsforschungszentrums leistet umfassende Aufklärung, liefert Informationen zu Krebsarten, Diagnostik und Behandlungsformen und fungiert als Anlaufstellen für Fragen zu Leben und Umgang mit Krebs, Beziehung zu Angehörigen und psychologischer Beratung (https://www.krebsinformationsdienst.de/)
  • Die deutsche Krebsgesellschaft bietet ein umfangreiches Netz an psychosozialen Anlaufstellen und informiert online, telefonisch (https://www.infonetz-krebs.de) und persönlich, wobei unter folgendem Link die Seiten der einzelnen Bundeländer angeführt sind (https://www.krebsgesellschaft.de/landeskrebsgesellschaften.html)
  • Die Schweiz bietet ein Krebstelefon und zahlreiche Broschüren an, welches Auskünfte und Beratung anbietet – spezialisiert sowohl auf die Fragen und Ängste der Angehörigen (https://www.krebsliga.ch/beratung-unterstuetzung/infomaterial/fuer-angehoerige), als auch auf die Patienten selbst (https://www.krebsliga.ch).
  • Auch in Deutschland und der Schweiz sind in vielen Kliniken direkt Spezialisten vor Ort, die im onkologischen Team eingebunden sind und als Ansprechpartner für Patienten und Angehörige fungieren.

 

 

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